Mehr Pflege,
weniger Dokumentation

Zum ersten Mal seit Einführung der Pflegeversicherung
wurde ein neues Strukturmodell zur Pflegedokumentation
in der Praxis getestet. Informieren Sie sich über die
Auswirkungen für Ihre Dokumentation.

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Mehr Pflege, weniger Dokumentation
Erfahrungen in der Praxis

Erfahrungen in der Praxis

Im Interview mit der Fachzeitschrift Altenheim berichtet die Pflegeüberleiterin Mona Ohle aus dem Seniorenpflegeheim „Am Giesinger Bahnhof“ in München über ihre Erfahrungen. Hier die Inhalte des Interviews als Zusammenfassung.

Zur Auswirkung der Strukturierten Informationssammlung SIS statt z.B. AEDL:

Da die SIS aus der Sicht des Bewohners geschrieben wird, finden die Erwartungen von Bewohnern und Angehörigen als O-Ton Eingang in die Dokumentation. Die Pflegekraft muss sich dazu von der verinnerlichten AEDL-Auswertung lösen können. Gelingt das, verbessert sich die Qualität des Gesprächs, und es kommt gewissermaßen zu einer Art Vereinbarung mit dem Bewohner. Dabei kann die Pflegekraft ihr Wissen und ihre Erfahrung sehr gut einbringen.

Zu den Auswirkungen auf die Dokumentation:

Mit dem neuen System werden bei der Leistungsabzeichnung nur noch Abweichungen von der Regel dokumentiert. Am Einzugstag des Bewohners erfolgen lediglich eine optische Visite und die Risikoerfassung. Da Assessments nur noch bei Bedarf durchgeführt werden, steigt die Effizienz.

Zur gestiegenen Bedeutung des Fachwissens der Pflegekraft:

Für die Strukturierte Informationssammlung werden im Aufnahmegespräch fünf Themenfelder behandelt. Dabei spielen die Gewohnheiten und Fähigkeiten des Menschen eine Rolle. Die Krankenbeobachtung durch die Pflegekraft gewinnt an Bedeutung. Es wird wieder mehr der Mensch mit seinen Bedürfnissen betrachtet.

Zur Reaktion der Mitarbeiter:

Die größere Verantwortung und mehr Eigenständigkeit führen zunächst auch zu Verunsicherungen. Frau Ohle selbst ist erfreut über die Möglichkeit, ihre in der Ausbildung erlernten Fähigkeiten wieder einsetzen zu können.

Zum Thema Zeitersparnis:

Die für die Bewohneraufnahme benötigte Zeit hat sich in Frau Ohles Fall von 16 Stunden auf etwa 8 Stunden reduziert.

Zum Thema MDK und Einzelfallbegutachtung:

Da der MDK seit dem Praxistest die Einrichtung noch nicht wieder geprüft hat, gibt es hier keine Aussage. Bei der Einzelfallprüfung konnte dem Prüfer mit der neuen Dokumentation sehr detailliert über den Bewohner Auskunft gegeben werden.

Zum weiteren Vorgehen:

Das Seniorenheim „Am Giesinger Bahnhof“ wird komplett auf das neue System umstellen. Für eine unternehmensweite Entscheidung ist aber zuerst ein verlässlicher gesetzlicher Rahmen erforderlich. Frau Ohle kann sich durchaus eine flächendeckende Anwendung des Modells vorstellen, verweist aber auf den erforderlichen Schulungsbedarf. Außerdem müssten die Pflegekräfte bereit sein, die zusätzliche Verantwortung zu tragen.

Quelle:
Altenheim Zeitschrift für das Altenhilfe-Management, Ausgabe 5/2014, Seite 27-29, „Neue Kultur des Vertrauens“ (Interview: Steve Schrader). Das gedruckte Interview ist nur Abonnenten der Zeitschrift Altenheim zugänglich. Als weitere Hintergrundinformation wird das Video mit Michael Wipp unter www.altenheim.net/Infopool/Management empfohlen.

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